Die Andere und ich


Da wo wir nicht aufmerksam sind dienen wir der Mechanisierung der Welt. Da wo wir lieben, helfen wir die Kräfte zu stärken, die einmal das KZ und den großen Friedhof Welt unmöglich machen.“


Das Hörspiel muss wegen der Gefahr, Opfer der Abmahnbetriebe zu werden, verlinkt werden. Werbeeinblendungen, eine Geiselung von Menschen in der Postmoderne, können damit nicht verhindert werden; eine öffentlich rechtliche Anstalt provoziert dies.

Günter Eich hat das Hörspiel geschrieben, der SWR2 hat seinen Text als Hörspiel produziert und hält das Recht über diese Produktion. Der SWR2 folgt dem in unserer Zeit so schrecklichen Mechanismus, die Rechte auszulagern und übertrug sie einer Verwertungsgesellschaft. Günter Eich hätte Derartiges gar nicht denken können damals, in den Jahren um 1950; noch tief saß der Schrecken über die Mörderbanden der Nazis und schwer fiel das erste Sprechen nach Auschwitz. Unglaublich, dass sie ihn heute verwerten. Mit ihresgleichen sorgen die Juristen dafür, dass das Geschäft läuft. Man teilt mit den Seinen die Ausbildung und die Gesinnung. Aber dieses Gesinnung war es die Günter Eich verzweifeln ließ und seine Mahnungen unterschlagen sie, wie sie früher solche Mahnungen mit ihren Stiefeln geschlagen haben; dafür dient heute das Recht.

Schuld trägt die öffentlich rechtliche Rundfunkanstalt SWR2. Das werden die Verantwortlichen von sich weisen. Sie werden sagen die anderen waren´s und folgen ihren Auftraggebern. Aber das kennen wir schon.

Auf meine Anfrage schrieb die öffentlich rechtliche Rundfunkanstalt:

Leider kann und darf ich Ihnen bezüglich Ihrer Anfrage nur folgende Auskunft geben: Die Onlineverwendung von SWR-Produktionen durch Dritte im kommerziellen Bereich ist generell nicht gestattet. Darunter fallen laut Erklärung der Verantwortlichen des Justitiariats alle Onlinenutzungsvorhaben von SWR-Inhalten. Leider auch solche, wie der von Ihnen geschilderte Sachverhalt. Sämtliche Arten der elektronischen Publikation sind von dieser Entscheidung betroffen, so auch die Nutzung auf Social Media Plattformen, in einem Intranet oder auf einer passwortgeschützten Plattform.
Diese Haltung zur Onlinenutzung im Generellen wurde vom SWR-Gremium zur "Programmbezogenen Kooperation mit Dritten" beschlossen.
Der Beschluss fußt auf Gründen der Beibehaltung absoluter Handlungs- und Rechtssicherheit seitens des Senders. Verwiesen wird dabei auf den neuen Rundfunkänderungsstaatsvertrag.
So ist leider auch in diesem Fall keine Nutzung des Beitrags im Onlinebereich möglich, da diese Entscheidung seitens des Gremiums allen anderen Instanzen übergeordnet ist.
Die SWR Media Services als Verwertungsgesellschaft des SWR darf demzufolge keine Lizenzierungen für Onlinezwecke jeglicher Art vornehmen.
Es besteht die Möglichkeit einer einfachen Verlinkung zu uns, solange der Beitrag noch auf einer der swr.de-Seiten oder aber der ARD-Mediathek abrufbar ist.
Bitte beachten Sie hierbei die begrenzte Verweildauer der Beiträge auf den genannten Seiten, welche vom Rundfunkstaatsvertrag festgeschrieben wird.
Es tut uns leid, Ihnen keine positivere Mitteilung machen zu können.“

Hier belegen die Satzbausteine die fortschreitende Mechanisierung. Dass es sich um Textbausteine handelt kann belegt werden: Das Hörspiel wurde 1952 ausgestrahlt; es befindet sich mit Sicherheit in keiner Mediathek; das Wort kannte man im Jahr 1952 noch gar nicht.

Günter Eich wurde enteignet. Der Inhalt des Hörspiels ist sein Eigentum. Er hat dem SWR2 sicherlich das Recht zur Veröffentlichung gegeben. Mehr noch, es wird bestimmt sein Wunsch gewesen sein, dieses Hörspiel auszusenden, täglich, so dass jeder die Möglichkeit hat, ihn zu hören. Denn was er uns mitteilt, muss gehört werden.

Günter Eich hat keinesfalls sein Eigentum dem SWR2 übertragen, das geht auch gar nicht. Sein Text ist verschwunden. ich muss Sie leider enttäuschen, aber eine Textfassung des Hörspiels von Günter Eich aus dem Jahre 1952 liegt uns leider nicht vor.“ Vermutlich haben sie seinen Text ihm hinterhergeworfen, als sie ihn beerdigten: Endlich waren sie ihn los...

Günter Eich meinte, dass da wo wir aufmerksam sind und helfen, die Kräfte zu stärken, die einmal das KZ und den großen Friedhof Welt unmöglich machen, dass da sein Platz ist. Das Schreiben des Rundfunks ist Beleg, dass es unter der Gewalt des Rechts keine Aufmerksamkeit mehr gibt. Günter Eich wurde restlos enteignet. Die Menschen, handelnd im Auftrag des Verwerters arbeiten mechanisch. Wie Roboter gehorchen sie ihrem Programm. Das Hörspiel, dass ihr Sender einmal ausstrahlte, haben sie nie gehört. Sonst hätten sie den Brief nicht schreiben können.

Hören wir also bei Youtube und schieben die Verwerter und Gesinnungstäter beiseite, los werden wir sie nicht.

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